Aktuell: Anima – Der Zaubergarten in Marrakesch

Was für ein herzergreifendes Erlebnis das war! Im November 1972, die erste Begegnung mit Marokko. Bald wieder abzureisen erschien mir beinahe wie die Übertretung eines kosmischen Verbotsgesetzes und so sagte ich alle meine Verpflichtungen (unter anderem eine Konzerttournee in Europa) ab und blieb statt drei Wochen viereinhalb Monate. Ich lieferte mich selig aus, an die harmonischen und dissonanten Klänge und Farben, die betörenden und verstörenden Düfte, den raffinierten, gewürzdurchschwungenen Geschmack der vielfältigen Speisen und Tees, die üppigen und oft auch gefährlichen Spiele der afrikanischen Sonne, das unübertrefflich einfallsreiche Landschaftskaleidoskop, den aberwitzigen Lärm der Suks und der Wochenmärkte fliegender Händler, die vom Zirpen der Grillen ummantelte Stille heiliger Plätze, die geflüsterten und zornigen Erzählungen des Windes, das Rascheln bizarrer seidener Hochzeitsgewänder, die Gottesbeschwörungen der Muezzine aus der Höhe Tausender Minarette, die kühlen, verborgenen Innenhöfe, die jahrhundertealten Mosaikrasereien, die Souveränität der Kalligrafen, das Glockengeläut der Wasserverkäufer, die Schneeparadoxie des hohen Atlas, als Hintersetzer von Palmenhainen und Kaktuszäunen, die oft als Einfriedung von Olivenplantagen dienen, auch an die geduckten Lehmdörfer der Berber und die, aus dem gleichen Baumaterial, auftrumpfenden Pracht-Kasbahs ihrer Stammesfürsten. Es war mir von der Sahara bis zum Mittelmeer und vom Atlantik bis zum Riffgebirge ein Territorium des Glücks, in dem ich erstmals im Leben inneren Frieden empfand. Ich staunte und staune mittlerweile seit über 45 Jahren und entdecke noch immer, Stunde für Stunde, Neues, Erhebendes und Einschüchterndes, Glanz und Elend im Übermaß. Um meinen 60. Geburtstag entschied ich, nach sorgfältiger Erwägung, mich auf besondere Weise mit der Königsstadt Marrakesch zu verbinden. Ich wollte für die Jahrzehnte wirksamer Ermutigungen, die maßlosen Nuancen der Inspiration, die mir hier zuteil wurden, etwas Nachhaltiges an den Ort, seine Bewohner und Gäste zurückgeben. Arbeitsplätze sollten geschaffen werden, durch ein heilkräftiges, hochenergetisches, botanisches Revier der sinnlichen Schönheit und höchsten umfassenden Qualität für Menschen aller Altersgruppen und Ausbildungsgrade aus Nah und Fern. So ernsthaft und freudig, wie es mir nur irgend möglich war, habe ich all meine Erfahrungen, meine Talente, meine Beharrlichkeit und meine Ersparnisse auf diese funkelnde Karte Animagesetzt. (ln die großen, machtvollen Liebesgeschichten stürzt man sich bedingungslos, ohne Sprungtuch, beschützt vom Wissen, dass es letztendlich keine Probleme, sondern nur Lösungen gibt.) Die Grundlage für diese Haltung ist in meinem Fall eine spirituelle: Folge den klugen Bedürfnissen deiner Seele und nütze die Chancen, dich in den Herausforderungen vielfältiger Lernprozesse zu bewähren und zu verändern. Ich will an dieser Stelle über die Details des Projektes Anima nicht mehr erzählen, als dass es am Anfang acht Hektar völliges Brachland mit atemberaubender Aussicht war. Alles andere vermittelt dieses Buch in Bild und Wort sehr präzise. Ich danke meiner kostbaren Gefährtin Albina Bauer für die ganz und gar wahrhaftigen Fotos und Andrea Schurian für ihren einfühlsamen, klugen Text.

Link zum Verlag: https://www.brandstaetterverlag.com/buch/anima-der-zaubergarten-marrakesch/